Wie man sich selbst nicht den Spaß versaut.

Bis vor nicht allzu langer Zeit war ich der festen Überzeugung, mit bestimmten Dinge verhielte es sich wie mit einem Kinderkarussel:

Kann man ab einem gewissen Alter noch machen, kommt aber eventuell ganz schön komisch rüber.

Aber: Man sollte manchen Dingen einfach mal eine Chance geben.

Dieser möglicherweise auch für das gesamte Leben wichtige Grundsatz hat mich einiges über mich selbst gelehrt.

Sieht kacke aus? Dann weg damit.

Passiert sicher jedem. Oder?
Wenn mir etwas optisch nicht gefällt (sei es ein Game, ein Buchcover, ein CD-Artwork), kostet es mich Überwindung, mich dennoch damit zu beschäftigen.
Es fällt mir, mehr bewusst als unbewusst, schwer in Betracht zu ziehen, dass ein Inhalt trotz einer für mich nicht direkt ansprechenden Präsentation meinem Interesse entspricht.

Ich bin prätentiös.

"Person XY mag die Harry Potter-Reihe und spielt auch noch Pokémon? Hmmm. :I "

So etwas, oder ähnliches, habe ich bestimmt schon mal von mir gelassen. Zumindest gedacht.
Und das veranschaulicht die völlig verschrobene Sichtweise, die man manchmal im Leben haben kann, doch sehr gut:

Zu dem Zeitpunkt, zu welchem ich so eine Aussage theoretisch mal von mir gegeben hätte, hatte ich auch schon diverse Hobbies.
Die waren zwar in ihrer Präsentation nicht so "kindlich" gehalten, doch in ihrem Wesen den o.g. Beispielen sicherlich sehr ähnlich.

Und so vorverurteile ich Dinge und Menschen aufgrund ihrer Interessen, über die ich im Grunde rein gar nichts weiß.

Auch wenn ich stets das Gegenteil behaupte, es ist mir nicht egal, was andere von mir denken.

Bestimmten Dingen gab ich zum Teil auch nur deshalb keine Chance.

Doch als @t_berium mir zum Geburtstag einen New Nintendo 3DS XL schenkte (den hatte ich mir stets innig gewünscht, aber aus Knauserigkeits-Gründen nicht angeschafft) und ich mir Spiele aussuchen sollte, stieß ich immer und immer wieder auf Zelda: Ocarina of Time.

Hatte mich bisher -50 interessiert, die Japano-Optik gefiel mir nicht. Ging einfach komplett an mir vorbei.
Da Millionen begeisterter Spieler aber irgendwie doch als Argument pro Ausprobieren von mir gewertet werden konnten, und auch mein Tweet darüber einige Fans offenbarte, gab ich dem Spiel einfach mal eine Chance.

Und ich kann mich nur immens ärgern, es nicht schon vorher ausprobiert zu haben: Es ist das absolut beste Spiel. Like, evah.

Sowas unglaublich liebevoll gestaltetes, mit so un-fass-bar viel Inhalt! Ich habe schon knapp 30 Spielstunden damit verbracht und bin noch nicht durch!

Da dieser Feldversuch ein voller Erfolg war, wollte ich direkt eine weitere Spielereihe ausprobieren, der ich zuvor niemals eine Chance gab: Pokémon.

Japp.

Für ebendas war ich beim deutschen Release der Serie und Spiele als Kind/Teenie etwas zu alt gewesen.

Die Meinungen darüber, was das "beste" Pokémon-Spiel der Reihe ist, gingen auf Twitter ganz klar auseinander. Muss man ja als Pokénoob mal fragen.
Da ich aber auf dem 3DS die Demo von Alpha Sapphire/Omega Rubin spielen konnte, habe ich mich dann für ersteres entschieden.

Und es stellte sich heraus, dass Pokémon über ein hochkomplexes Stat-System verfügt, das immens viel Geduld, Planung und Wissen erfordert - wenn man es auf diese Weise spielen möchte. Denn gleichzeitig ist Pokémon problemlos casual spielbar.

Das ist nicht nur ein großartiger Ansatz, um gleichermaßen Kinder und Erwachsene anzusprechen, gleichzeitig können die Spieler von damals heute genauso viel Freude an demselben Inhalt haben.

so thought. much deep. wow

Man sollte sich manchmal einfach von seinen eigenen Vorurteilen befreien und Oberflächlichkeiten beiseite lassen, um sich selbst die Chance zu geben, über den Tellerrand hinaus zu blicken.

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Mag Faultiere, gärtnert gerne, und hat noch keine eckigen Augen bekommen.
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